Verbitterung: Wie Bitterkeit krank machen kann

Eine chronische Verbitterung kann tückisch sein, denn sie kann nicht nur krank, sondern auch einsam machen. Oftmals können Außenstehende den Auslöser für eine solche Bitterkeit nicht recht nachvollziehen, obwohl die Betroffenen immens leiden und unbedingt Hilfe benötigen.

Enttäuschungen – egal, welcher Art – gehören zum Leben. Doch nicht jedem gelingt es auch, damit fertig zu werden. Dabei können die Gefühle, die mit einer Enttäuschung einhergehen, aufwühlend und lähmend sein. Häufig handelt es sich um eine Mischung aus Wut, Ungerechtigkeitsempfinden und Ohnmacht. In der Regel verschwinden aber diese selbstzerstörerischen Emotionen nach einer gewissen Zeit von selbst.

Einige Menschen bleiben allerdings in diesen Emotionen gefangen und im Volksmund werden diese dann als „verbitterte Menschen“ bezeichnet. Trifft man auf Betroffene, so kommen diese immer wieder auf das gleiche Thema und berichten über ihre Enttäuschungen. Positive Erlebnisse werden hier nicht berichtet. Problematisch ist, dass Betroffene die Energie in ihrer Umgebung quasi aufsaugen und auf gut gemeinte Aufmunterungsversuche oder Hilfsangebote wird ablehnend reagiert. So wundert es nicht, dass Familie, Freunde, Bekannte oder Kollegen von den Betroffenen abwenden.

Wie entsteht Bitterkeit?

Generell kann es für eine Verbitterung zahlreiche Gründe bzw. Auslöser sein. Neben großen Auslösern, wie zum Beispiel der Verlust eines Partners oder der Kündigung des Arbeitsplatzes, können ebenso gut viele kleine Enttäuschungen, Erniedrigungen oder Kränkungen in die Verbitterung führen. Auch der Verlust der Unabhängigkeit, wie zum Beispiel durch körperliche Gebrechen/Krankheiten kann ein Auslöser sein.

Laut zahlreicher Studien gehören die Misserfolge in der Arbeitswelt zu den häufigsten Auslösern. Ob nun die Arbeitsstelle abgebaut, die Kündigung ausgesprochen, bei der Beförderung übergangen – all dies können Gründe sein. Aber auch Mobbing spielt hier eine wesentliche Rolle. Betroffen sind meist die Menschen, die besonders engagiert und zuverlässig sind. Sie haben Vertrauen in das Unternehmen, halten sich an die Regeln und glauben an die Gerechtigkeit. Doch dann werden sie fürchterlich enttäuscht.

Ebenso häufig zählen aber auch Probleme in der Partnerschaft zu den Auslösern. Auch hier ist die Enttäuschung groß, wenn beispielsweise der Partner wegen eines anderes verlassen wird. eventuell hat der verlassene Partner oftmals seine Bedürfnisse und Wünsche zurückgestellt und ist nun bitterlich darüber enttäuscht, verlassen zu werden.

Experten warnen davor, das Leben einseitig auszurichten und immer die Rolle des „Guten“ zu übernehmen, denn wenn eine Enttäuschung kommt, kann diese die gesamte Welt zusammenbrechen lassen.

Was ist eine posttraumatische Verbitterungsstörung?

Durch massive Kränkungen und Enttäuschungen wird die Seele beschädigt. Trotzdem schaffen es die meisten, aus diesem Tief wieder herauszukommen. Für diejenigen, die es nicht schaffen, wurde der Begriff „posttraumatische Verbitterungsstörung“ als eigenständiges Krankheitsbild definiert. Dabei ähnelt diese der posttraumatischen Belastungsstörung, die durch ein schlimmes Ereignis (z. B. Vergewaltigung, Unfall, Überfall etc.) ausgelöst wird.

Zwar wird bei der Verbitterungsstörung nicht das eigene Leben bedroht, aber dafür die Grundsätze des Lebens, wobei die Symptome bei beiden Störungen in etwa gleich sind. Typisch sind vor allem die aufdrängenden Gedanken, das Erlebte immer und immer wieder zu erleben, wodurch die „Wunde“ offen gehalten wird.

Nicht nur die Seele, sondern auch der Körper wird belastet. Laut einiger Studien leiden Betroffene häufig unter Bluthochdruck und tragen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei einer chronischen Verbitterung kann es zu Erschöpfung, Kopfschmerzen oder auch Rückeschmerzen kommen.

Ein besonderes Phänomen ist, dass sich Betroffene nur in den seltensten Fällen Hilfe suchen, denn nach ihrer Meinung haben sie „alles richtig“ gemacht. Indes ist es schwer, einen Betroffenen für die so notwendige Therapie zu motivieren. Hier könnten sie lernen, Verantwortung für die Verbitterung zu übernehmen und ihr nicht zum Opfer zu fallen.

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