Berufsunfähigkeitsversicherung: Wie gehen Versicherungsgesellschaften mit psychischen Erkrankungen um?

Extremer Stress und Druck in der Familie und am Arbeitsplatz sowie das ständige Gefühl überfordert zu sein. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen wegen Depressionen oder einem Burnout zusammenbrechen. Viele der Betroffenen können entweder vorübergehend oder gar nicht mehr arbeiten.

Die Bundesregierung zählte im Jahr 2010 allein mehr als 50 Millionen Krankentage aufgrund psychischer Erkrankungen. Psychische Erkrankungen stehen somit an erster Stelle gefolgt von Rückschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Zahlen nehme immer weiter zu. Experten schätzen die Zahl an Menschen, die an einer behandlungsdürftigen psychischen Erkrankung leiden auf ungefähr acht Millionen.

Jährlich hören mehr als 50.000 Menschen auf zu arbeiten, weil die Psyche krank ist. Die Folge ist häufig ein finanzielles Desaster, da viele Menschen nicht ausreichend abgesichert sind. Eigentlich könnte dies für Versicherungsgesellschaften ein Milliardenmarkt werden, doch die Realität sieht anders aus.

Gründe für psychische Erkrankungen

Über die Gründe der stetig ansteigenden Zahlen von psychischen Kranken kann nur spekuliert werden. Vor allem dürften sie aber dem fortschreitenden Wandel der Arbeitsgesellschaft und dem zunehmenden Druck zuzuschreiben sein. Gerade Berufseinsteiger müssen ein hohes Maß an Flexibilität mit ausreichenden Qualifikationen mitbringen. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber größten Teils nur noch befristete Arbeitsverträge favorisieren, was den Druck nochmals enorm erhöht.

Versicherungsgesellschaften in der Verweigerungshaltung

Jeder Mensch kann sich im Grunde gegen Berufsunfähigkeit versichern. Neben der Krankenversicherung und der privaten Haftpflichtversicherung gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung zu den wichtigsten Versicherungspolicen. Allerdings ist nur ungefähr jeder siebte Mensch gegen Berufsunfähigkeit versichert, obwohl hohe Geldleistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung im Versicherungsfall nicht zu erwarten sind. Viele Menschen ignorieren dieses Risiko.

Wenn ein bereits erkrankter Mensch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, kommt es zu einem großen Problem. So muss damit gerechnet werden, dass der Antrag abgelehnt wird. Häufig werden dann Alternativen von Versicherungen angeboten, wie zum Beispiel das Ausschließen von bestimmten Leistungen oder höhere Beiträge. Allerdings ist kein Mensch in der heutigen Zeit vor Depressionen oder einem Burnout gefeit, sodass ein Berufsunfähigkeitsvertrag auch diesen Leistungsfall enthalten sollte.

Wer bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt und aufgrund einer psychischen Erkrankung berufsunfähig wird, hat häufig das Nachsehen, denn viele Versicherungen tun sich schwer mit dem Auszahlen der vereinbarten Leistungen. Laut des Bundes der Versicherten zahlen Versicherungsgesellschaften nur ungefähr bei jedem vierhundertsten Berufsunfähigkeitsvertrag eine Rente.

Im Falle einer Berufsunfähigkeit werden in der Regel von den Versicherungen entsprechende medizinische Gutachten verlangt. Selbstverständlich versuchen Versicherungsgesellschaften hiermit, einen kranken Menschen als „gesund zu begutachten“, um keine Leistungen erbringen zu müssen. Mit einer guten Rechtsschutzversicherung ist jeder Mensch gut beraten, da diese im Rechtsstreit die Kosten auch für die Gutachten übernimmt.

Viele Versicherungen können anscheinend nicht mit den neuen Krankheitsrisiken und auch Berufsunfähigkeitsrisiken umgehen. Hilflos stehen Versicherungen dem zunehmenden Problem gegenüber und greifen zu drastischen Mitteln, indem sie das unkalkulierbare Risiko bei psychischen Erkrankungen komplett ausgrenzen. Bei einem Großteil der Versicherungen gilt die Devise: Wer einmal beim Psychologen war, bekommt keine Berufsunfähigkeits- oder private Krankenversicherung.

Einen Vergleich aller großen Versicherungsgesellschaften finden Sie in unserem Berufsunfähigkeitsversicherung Rechner.

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